Die Balearen – mit ihren vier Hauptinseln Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera – durchliefen in den letzten Jahren einen grossen Wandel. Dabei gelingt es sehr gut, alte Traditionen in modernem Rahmen neu zu entdecken. Vor allem der Erhalt des ökologischen Gleichgewichts steht auf dem Tourismus-Programm der Balearen. Und so wird es höchste Zeit, sich die Inselgruppe einmal wieder etwas näher anzusehen – Klasse statt Masse, dies ist die Devise.

Die Balearen sind eine der traditionellen Feriendestinationen der Schweizer. Doch gleichzeitig unterliegen die Inseln leider auch so einigen Klischees: „Mallorca, das ist doch Ballermann“, „Ibiza: viel zu teuer und endlose Rave-Parties“ oder „auf Menorca und Formentera ist sowieso nichts geboten“. Diese Aussagen mögen einen wahren Kern haben. Das hat jedoch sicher manchen Schweizer davor zurückschrecken lassen, die Balearen bei der Ferienplanung ernsthaft zu berücksichtigen.

Auch die Regierung der Balearen ist sich dieser Problematik durchaus bewusst und versucht seit einigen Jahren den all zu ausschweifenden Partytourismus auch in Hinblick auf Traditionen, Umweltschutz und Klimawandel einzudämmen. So konnte man diesen Sommer selbst in der Neue Zürcher Zeitung häufiger über jene neuen „Benimmregeln“ lesen.

Dazu muss man natürlich auch verstehen, dass die Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen auf dem Festland auch auf den über 200 km entfernten Inseln ihre Wirkung im kulturellen Bereich haben: Das Balearisch – die katalanischen Dialekte auf Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera – erlebt derzeit eine wahre Renaissance. Gleichzeitig werden jedoch auch alte Kultur- und Naturschätze der Inseln wiederentdeckt und für den Tourismus neu erschlossen. Dazu gehören beispielsweise die Jardines de Alfabia, eine wunderschöne, arabische Gartenanlage bei Bunyola, im Herzen des Tramuntaner Gebirges auf Mallorca, das Castell de Capdepera oder die römische Stadt Pol•lèntia, die allesamt inzwischen auch mit einer S-Bahn erreichbar sind.

Mallorca_Alfabia_Garten

Alfabia – Mallorca

Es wird viel auf den Balearen unternommen, um diese historischen Stätten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gleichzeitig fördert die lokale Regierung den Ausbau eines nachhaltigen Tourismus, der das ökologische Gleichgewicht herzustellen sowie die Vermeidung von Schäden an der Natur so weit wie möglich einzudämmen versucht. Der Trend geht ganz klar hin zum Qualitätstourismus. Dessen Ziel ist es, Ferienmöglichkeiten und -aktivitäten anzubieten, die die Natur der jeweiligen Destination und ihre Ressourcen schont. Immer häufiger sind auf den Inseln daher auch Wanderer sowie Velofahrer anzutreffen. Ausflüge in den Nationalpark des Cabrera-Archipels werden zu einer wichtigeren Destination als Ballermann und Pacha-Club.

Selbst ökologischer Land- und Gartenbau erlebt derzeit auf den Balearen einen wahren Boom. Und dank der vielen neuen Winzer und Bio-Bauern wird die Inselgruppe auch immer mehr zu einem neuen Pilgerziel für Genussreisende. Oftmals waren es die alten Höfe und landwirtschaftlichen Betriebe der Grosseltern, die eine junge Generation nun mit viel Liebe zum Detail, Traditionsbewusstsein und umfangreichem Wissen über ökologischen Anbau zu neuem Leben erwecken.

Die Inselgruppe entwickeln sich derzeit also zu einem vollkommen neuen Genuss-Reiseziel. Der Blick wendet sich von den Stränden daher auch immer häufiger auf das Inselinnere. Die Schönheit der Natur war immer schon da, doch stand sie in früheren Jahren weniger im Vordergrund einer Reise auf die Balearen. Nun wird sie jedoch von einer Vielzahl an gastronomischen, historischen und kulturellen Highlights ergänzt. Es lohnt sich also Mallorca, Ibiza, Menorca oder Formentera selbst einmal wieder neu für sich zu entdecken und Balearen Ferien zu geniessen!